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Ich habe Öl gefunden, LG Salmanow

салманов
© Общественное достояние

Das Telegramm, das ein junger Geologe vor 60 Jahren an den ersten Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Nikita Chruschtschow sandte, war sehr gewagt. Die Nachricht war so wichtig und schicksalhaft, dass deren Stil Farman Salmanow nicht daran hinderte, im Alter von 30 Jahren zu einer echten Legende in der Öl- und Gasindustrie zu werden.

Die Erkundung von Erdöl in Westsibirien wurde bereits vor der Revolution durchgeführt – erstmal wurde davon im Jahr 1903 erwähnt. Die Wissenschaftler hatten jedoch lange Zeit keine eindeutige Meinung über die Aussichten dieses Projekts, bis 1932 der berühmte Akademiker und Absolvent des Bergbauinstituts (heute die Staatliche Bergbau-Universität Sankt Petersburg) Ivan Gubkin die Erkundung von Kohlenwasserstoffen in dieser Region während der Ural-Kusbass-Sitzung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR wissenschaftlich rechtfertigte. Es folgte die Prospektion, die … wegen des Großen Vaterländischen Krieges gestoppt wurde.

In den frühen 1950er Jahren war Öl für die schnell wachsende Wirtschaft des Landes von großer Bedeutung, und die bereits entdeckten Lagerstätten konnten den Bedarf nicht völlig decken. Daher richtete man seine Aufmerksamkeit wieder auf Westsibirien – die Regierung beschloss, die geologische Erkundung auf dem Gebiet mit einer Fläche von mehr als eineinhalb Millionen Quadratkilometern zu intensivieren. Produktions- und Forschungsteams von Geologen aus verschiedenen Bereichen, Expeditionen und Universitäten wurden dorthin geschickt.

западная сибирь
© NASA/ Западная Сибирь

Das Geologieministerium der UdSSR begann eine umfassende geophysikalische Untersuchung des westsibirischen Tieflandes und das Bohren von 26 Basisbohrungen. Wegen einer Reihe von Umständen, vor allem aufgrund der Notwendigkeit großer Kapitalinvestitionen für die Exploration in der Region und der Umverteilung von Einflussbereichen im Zusammenhang mit der Gründung des Erkundungsunternehmen in Tjumen, wurde die Untersuchung aufgebrochen.

Das gleiche Schicksal hatte die Bohrung Pokurskaja − das Projekt wurde nicht vollendet. Die in der Region Sredneje Priobje begonnenen Bohrungen wurden eingestellt, was die Entdeckung des ersten Ölfeldes um fast ein Jahrzehnt verschob. Die Erkundungsteams wurden nach Kusbass verlegt, wo sie mehrere Jahre vergeblich nach "schwarzem Gold" suchten. Farman Salmanow, als er die Universität in Aserbaidschan absolvierte, wurde auch dorthin geschickt ...

Die Lebensgeschichte des bekannten Erdölsuchers ist so erstaunlich, dass sie die Grundlagen für einen ganzen Spielfilm ("Risikostrategie", 1978) und eine der Staffel von Andrei Kontschalowskis Fernsehserie "Siberiade" schuf.

Als der junge Mann in der 8. Klasse war, kam der Minister für Erdölindustrie Nikolaj Bajbakow in das Dorf Schamchor, wo die Familie des Jungen lebte.

"Ich sprach ein bisschen besser Russisch als meine Gleichaltrigen, deshalb sollte ich dem angesehenen Gast über die Schule erzählen. Am Ende des Treffens drehte der Minister sich um und fragte, was ich von Beruf sein möchte. Ich antwortete: "Erdölsucher." Er lobte meine Wahl und sagte: "Öl ist die Zukunft unseres Landes." Dieses Treffen war schicksalhaft. Als ich nach meinem Abschluss zur Arbeit nach Baku geschickt wurde, schrieb ich einen Brief an Bajbakow und bat ihn, mich nach Sibirien zu schicken. Danach wurde ich nach Moskau gerufen. Von dort wurde ich nach Kusbass geschickt. Sie haben mir sogar das Geld für ein Ticket gegeben", sagte Farman Kurban oglu Salmanow, den man kurz Farman Kurbanowitsch nannten.

Nachdem der junge Spezialist eine Stelle im Unternehmen "Sapsibneftegeologija" in Nowosibirsk bekommen hatte, träumte er davon, genau in die Region Sredneje Priobje zu gelangen. Salmanow fand diese Region vielsprechend, obwohl deren Erkundung eingestellt worden war und trotz der Tatsache, dass man diese Region als aussichtslos betrachtete.

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Salmanows Meinung wurde von seinem wissenschaftlichen Berater, Professor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik Michail Abramowitsch beeinflusst, der die Staatliche Bergbau-Universität Sankt Petersburg absolvierte und Mitglied des Vorstandes des Unternehmens "Azneft" sowie Professor an der Staatlichen Universität für Erdöl und Industrie Aserbaidschan wurde. Abramowitsch hat Studenten Farman geholfen, einen Praktikumsplatz 1952 in der Region Sredneje Priobje zu bekommen, als die Bohrungen Aleksandrowskaja, Larjakskaja und Pokurskaja dort zum ersten Mal gebohrt wurden.

Deshalb, als er nach Kusbass kam, überzeugte er die geologische Verwaltung in Nowosibirsk von der Notwendigkeit, die Ölexploration in der Region Sredneje Priobje zu intensivieren. Die Unternehmensleitung nahm aber den Vorschlag des jungen Spezialisten, die Erkundung in der Regionen Surgut und Larjak wieder durchzuführen, nicht ernst ...

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© Википедия/ Река Обь

Von 1955 bis 1957 leitete Farman die Expeditionen Plotnikowskaja und Grjaznenskaja in den Regionen Kemerowo und Nowosibirsk. Die Erkundung war aber erfolglos, und Salmanow schlug dem Vorstand vor, die Exploration an ein neues Ort zu verlegen.

Und dann fand die berühmte Flucht statt. Ohne auf die offizielle Entscheidung zu warten, fuhr Farman Kurbanowitsch mit seiner aus 150 Menschen bestehenden Gruppe mit Lastkähnen entlang des Flusses Ob nach Norden, wo er damit rechnete, ein reiches Ölfeld zu finden. Er hat viel riskiert, denn wäre er gescheitert, hätte 26-jähriger Kommunist offensichtlich viele Probleme.

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© Сургутская экспедиция

"Es gab darum viel Lärm, wir hatten die Telekommunikation bereits abgebrochen. Sie wollten mich meines Postens entheben. Zuerst drängten wir uns mit unseren Frauen und Kindern am Bahnhof zusammen. Aber am Ende durften wir bleiben", schrieb Salmanow in seinen Memoiren.

Und in der Tat kamen zu diesem Zeitpunkt sowjetische Wissenschaftler zum Schluss, dass der südliche Teil Westsibiriens nicht vielversprechend war. Die Region Ob hatte aber trotz des Unglaubens der Skeptiker eine Chance auf Entwicklung. Daher drohten die Behörden nicht mehr, die eigensinnigen Prospektoren vor Gericht zu bringen. Die Erlaubnis zur Verlegung der Expedition wurde nachträglich unterzeichnet, ein Budget dafür zugewiesen, und der hartnäckige und selbstbewusste Geologe wurde zum Leiter der Surgut-Erdölexplorationsexpedition ernannt.

Die Bohrungen wurden mehr als drei Jahre lang durchgeführt, aber es gab immer noch kein Öl − die Brunnen produzierten nur Mineralwasser. Zeitweise lebte die Expedition am Rande der Auflösung. Salmanow wurde gesagt: "Sie sind von den strategischen Richtungen entfernt, und derzeit hat Surgut nichts, was Wissenschaftler und Industrielle anlocken könnte." Daran waren große Bohrtiefen schuld.

Nur am 21. März 1961 sprudelte Öl aus dem ersten Bohrloch im Dorf Megion aus einer Tiefe von 2180 m. Dieses Ereignis wurde zu einem Wendepunkt bzw. zum ersten Schritt in der Entwicklung des westsibirischen Öl- und Gassektors. Einige Jahre später wurde hier das größte in Russland und das siebtgrößte Ölfeld der Welt Samotlorskoje entdeckt.

Farman Kurbanowitsch sprang und rief: "Wir haben gewonnen!" Und dann schickte er mehrere Telegramme.

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Das erste wurde nach Baku bzw. ins Institut an Michail Abramowitsch gesendet.

"Mein lieber Lehrer, schließlich wurde im Zentrum Westsibiriens auf dem Megionskaja Platz Ölschwall aus einem Kreidevorkommen gewonnen. Die Ölhaltigkeit des Mittelteils wurde bestätigt. Ich gratuliere Ihnen als einem der Begründer der sowjetischen Geologie, Freund und Kollege von Ivan Michailovitsch Gubkin. Ihr Farman Salmanow".

Weitere Telegramme schickte er nach Tjumen an seine Gegner und nach Moskau ins zentrale Komitee.

"In Megion sind 200 Tonnen Öl aus einem Bohrloch gesprudelt. Verstanden? LG Salmanow."

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© Салманов открывает задвижку скважины №80, 1964 год.

Skeptiker antworteten, dass dies eine natürliche Anomalie sei, in ein paar Wochen werde das Bohrloch erschöpft und es könne in Westsibirien kein großes Ölvorkommen geben. Man erwähnte auch geringe Durchlässigkeit von Sandstein, niedrige Produktionsraten von Bohrlöchern in Zukunft und schlechte Ölqualität. Als Öl aus dem zweiten Bohrloch im Ust-Balyk Gebiet sprudelte, sandte Farman Kurbanowitsch an seiner Leitung ein Radiogramm: "Das Bohrloch funktioniert ganz gut." Und dann folgte das Telegramm an Chruschtschow.

Die ersten Entdeckungen führten zur Entwicklung einer ganzen Reihe von Öl- und Gasfeldern. Fast gleichzeitig mit dem Megion Vorkommen entdeckten sie die großen Ölfelder Watinskoje, Sewero-Pokurowskoje, Sapadno-Surgutskoje, Prawdinskoje, Mamontowskoje und nach ihnen die Ölriesen - Vorkommen Samotlorskoje und Fedorowskoje.

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Am 17. August 1961 verabschiedete das Kollegium des Ministeriums der UdSSR für Geologie und Bodenschätzenschutz eine Resolution "Über Maßnahmen zur Intensivierung von Öl- und Gasexploration in Westsibirien", die die Arbeit von Geologen in der Region Tjumen hoch schätzte: die Exploration hat nicht nur die Zweifel an der Ölhaltigkeit dieser Lagerstätten beseitigt, sondern auch grundlegende Voraussetzungen geschaffen, um hier eine Öl- und Gasprovinz zu bauen, die nicht nur in der UdSSR, sondern auch in der Welt einzigartig wäre."

Dieses Jahr wird der Tag des Geologen in Russland zum 55. Mal gefeiert. Ein Grund für dieses Fest war "der Beitrag von sowjetischen Geologen zur Schaffung des Mineral- und Rohstoffsektors des Landes" bzw. die erste Million Tonnen Öl, die aus den Feldern der größten westsibirischen Provinz der Welt gewonnen wurden. Das in Tjumen gewonnene Öl ist zur Hauptquelle für Deviseneinnahmen des Landes geworden.

Farman Kurbanowitsch arbeitet seit über 30 Jahren in Sibirien. Er gilt als der renommierteste Geologe in der Welt, der über 150 riesigen und großen Lagerstätten aus "schwarzem Gold" und "blauem Kraftstoff" entdeckt hat. In den Jahren 1987-1991 war er der erste stellvertretende Geologieminister der UdSSR in Moskau. Niemand war so hartnäckig und hatte so viel Glück bei der Suche nach Öl. Jeder wusste, dass Salmanow Talent hatte. Einen guten Riecher für Öl.

"Die Reserven in Sibirien werden in 100 Jahren erschöpft. Sehen Sie sich die Karte an - es gibt so viele wirklich unerschlossene Gebiete: der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen, die Karasee, die Barentssee, Sachalin ... Füllen wir die Reserven nicht auf, bemerken wir nicht einmal, wie wir alles erschöpfen, und nichts unseren Nachkommen hinterlassen. Statt die Exploration zu reduzieren, sollen wir sie intensivieren", schrieb der legendäre Geologe.