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Rektor der Staatlichen Universität Baschkirien: „Die Situation mit dem Aufbaustudium ist kritisch!“

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© Пресс-служба БашГУ

Die Staatliche Universität Baschkirien ist die älteste Universität in Baschkirien. Es wurde 1909 als ein pädagogisches Institut eröffnet – es gab einen katastrophalen Lehrermangel in der Region. Viel später wurde die Lehrerhochschule zur einen klassischen Universität, und der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Ausbildung von Spezialisten des breitesten Spektrums – die Universität bat Studiengänge in Bereichen Geistes-, Mathematik-, Natur- und Sozialwissenschaften an. Ingenieure, die diese Universität absolviert haben, sind in der Rohstoffindustrie heute sehr gefragt.

Der Rektor der Universität Nikolaj Moroskin berichtete in einem Interview mit der "Forpost" Zeitung darüber, was derzeit an der Staatlichen Universität Baschkirien passiert, welche Probleme die Hochschulbildung in Baschkirien hat und welche Perspektiven die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten eröffnet.

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- Vor einigen Jahren eröffnete die Staatliche Universität Baschkirien eine Fakultät für Ingenieurwissenschaften und begann, Studienbereiche zu entwickeln, die für klassische Hochschulbildungseinrichtungen nicht typisch sind. Ende 2020 trat die Universität in das Konsortium der Universitäten "Bodenschätze" ein. Was hat Sie dazu motiviert?

- Die Erweiterung der Studienbereiche lässt sich vor allem dadurch erklären, dass Ingenieure von führenden Unternehmen gefragt sind.

Der Eintritt von der Universität in das Konsortium der Universitäten "Bodenschätze" beruht auf der Tatsache, dass wir Spezialisten für den Mineralressourcenkomplex Russlands ausbilden, und zwar in Bereichen Geologie, Kartographie und Geoinformatik, Hydrometeorologie, Physik, chemische Technologie, Ökologie und Naturmanagement. Und das ist genau die Spezialisierung des Vereins.

Unsere Absolventen erhalten in Zukunft neue Arbeits- und Karrieremöglichkeiten. Die gemeinsame Arbeit mit anderen Bildungseinrichtungen sowie Forschungsinstituten und Industrieunternehmen im Rahmen des Konsortiums ermöglicht es der Professoren, Studenten und Doktoranden ihre beruflichen Kompetenzen, Qualifikationen, Mobilität, Forschungs- und Publikationsaktivitäten zu verbessern.

- Am letzten Tag des Jahres 2020 haben die Staatliche Universität Baschkirien und die Staatliche Technische Universität für Erdöl UFA eine Vereinbarung über die strategische Zusammenarbeit unterzeichnet. Beide Universitäten sind Mitglieder des Konsortiums "Bodenschätze". Sie haben viele Jahre miteinander konkurriert und sich nun auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung und der akademischen Mobilität von Studenten zusammengeschlossen. Wie trägt die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten zur die Lösung wissenschaftlicher und technologischer Aufgaben des Landes?

- Drei Universitäten in Baschkirien haben sich dem Konsortium der Universitäten "Bodenschätze" angeschlossen, und zwar die Staatliche Universität Baschkirien, die Staatliche Technische Universität für Erdöl UFA und die Staatliche Technische Luftfahrtuniversität Ufa. Wir arbeiten gemeinsam an einer Aufgabe –hochwertige Hochschulbildung der Region und dem Land anzubieten. Deshalb sind wir Partneruniversitäten. Trotz der Tatsache, dass die Staatliche Technische Universität für Erdöl UFA und die Staatliche Technische Luftfahrtuniversität Ufa technische Universitäten sind, haben wir viel gemeinsam. Daher gibt es an jeder Universität dieselben Bereiche, die die Bedürfnisse der Rohstoff- und Verarbeitungsindustrie befriedigen, aber sie unterscheiden sich in einzigartigen Studiengängen voneinander.

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Wir forschen zusammen, nutzen die Ausrüstung der Partneruniversitäten, erstellen und veröffentlichen wissenschaftliche Artikel. Die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in der Republik zeigt sich auch in der Arbeit des internationalen Eurasischen Wissenschafts- und Bildungszentrums, da alle Universitäten der Republik und das Föderale Forschungszentrum Ufa, das Teil der Russischen Akademie der Wissenschaften ist, an gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten beteiligt sind.

- Mehr als 200 Menschen aus Usbekistan, Kasachstan und China haben an der Winterschule für Ausländer "Studium und Freizeit in Russland" teilgenommen, die dieses Jahr von der Staatlichen Universität Baschkirien organisiert wurde. Wie relevant ist es heute, solche Winterschulen anzubieten?

- Der akademische Austausch ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens fast jeder russischen Universität. Er ist das wichtigste Instrument zur Schaffung eines effektiven regionalen Arbeitsmarktes, zum Austausch qualifizierter Humanressourcen und zur Ausbildung von Führungskräften in verschiedenen Bereichen des nationalen Bildungssystems.

In diesem Zusammenhang interessieren wir uns insbesondere für akademische Mobilitätsprogramme im Rahmen des Konsortiums "Bodenschätze", insbesondere für das Praktikum unserer Studenten und Doktoranden in der EU und an russischen Universitäten. Die Staatliche Universität Baschkirien unterstützt und fördert die Teilnahme von Studenten und Professoren an solchen Veranstaltungen. Wir arbeiten aktiv zusammen mit ausländischen Universitäten wie die Universität Nanchang in China, die Universität Cergy-Pontoise in Frankreich, die Universität Pai Chai in Südkorea und die Universität Weliko Tarnowo in Bulgarien.

- Die Berufsperspektiven nach dem Studium ist eines der Hauptkriterien, die die Wahl einer Universität beeinflussen. Wie Sie in einem Ihrer Interviews festgestellt haben, ist das Öl- und Gasgeschäft der beliebteste Studiengang unter den zahlreichen Programmen der Staatlichen Universität Baschkirien. Wie erklären Sie den Trend? Wie lang wird er andauern? Wo werden die Absolventen Ihrer Universität eingestellt?

- Die Popularität von den Studiengängen, die mit dem Öl- und Gassektor verbunden sind, ist verständlich und wird zunehmen, da die Branche derzeit in großem Umfang digitalisiert wird und neue Technologien eingeführt werden, was natürlich eine Nachfrage nach neuen Spezialisten für die Entwicklung digitaler Simulatoren schafft. Unsere Absolventen arbeiten sowohl in der Region als auch in vielen anderen Ländern der Welt. Sie werden von den größten Öl- und Gas-, Kraftstoff- und Energieunternehmen in Russland im Ausland bzw. in den USA, in Frankreich, in Ländern des Nahen Ostens und in Norwegen eingestellt. Die Staatliche Universität Baschkirien gehört zu den Top 10 Universitäten im Gazpromneft Ranking der besten Erdöl -Universitäten in Russland.

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Was im Allgemeinen die Spezialisierung unserer Absolventen angeht, macht die Staatliche Universität Baschkirien 75% aller Studenten in der Region in Bereich Mathematik und Naturwissenschaften laut Überwachungsdaten aus. Der Anteil aller Studierenden in Bereich Geisteswissenschaften beträgt 72%, Sozialwissenschaften − 46%, Bildung und Pädagogik − 42%. Dazu zählen auch die Filialen der Staatlichen Universität Baschkirien in Sterlitamak und Birsk. Fast die Hälfte der Lehrer in der Region sind Absolventen der Staatlichen Universität Baschkirien.

Maschinenbau und Metallverarbeitung, Ölförderung und -verarbeitung sowie die chemische Industrie sind in der Republik gut entwickelt, daher interessieren sich junge Menschen für Ingenieurstudiengänge. Vergangenes Jahr haben viele Unternehmen und Organisationen in verschiedenen Bereichen ihr Nachfrage nach Ingenieurabsolventen festgestellt. Davon sind Unternehmen wie Bashneft, PepsiCo, Hydraulik, UPPO, Lasselsberger Ceramics, Kronospan, UMPO u.a.

- Welche Schritte werden unternommen, um junge Menschen in Baschkortostan zu halten? Damit sie ihre Heimat für andere Regionen und Länder wegen Studiums und Arbeit nicht verlassen?

- Um dieses Problem zu lösen, treffen wir eine ganze Liste von Maßnahmen.

Wir implementieren bestehende und bereiten neue Doppelstudiengänge vor (international, russisch und universitätsintern), schaffen Möglichkeiten für die akademische Mobilität von Studenten, laden führende ausländische und russische Wissenschaftler ein. Unsere Absolventen können ein Europäische Diploma Supplement erhalten, das die Möglichkeit bietet, das Diplom in den EU-Ländern akademisch und beruflich anzuerkennen.

Darüber hinaus eröffnen wir neue vielversprechende praxisorientierte Studiengänge: "Rechtliche Unterstützung der nationalen Sicherheit", "Justiz- und Strafverfolgungsaktivitäten", "Kartographie und Geoinformatik", "Geodäsie und Fernerkundung" und viele andere. "Medizinische Biochemie", "Medizinische Biophysik" und "Medizinische Kybernetik" sollen bald lizenziert werden.

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Die Universität ergreift Maßnahmen zur Unterstützung talentierter Studierender. Während des Schuljahres wurden erhöhte Stipendien in Höhe von 50.000 Rubel pro Monat für die Gewinner und Preisträger der Endphase der Allrussischen Olympiade für Schüler, 30.000 Rubel werden den Gewinnern und Preisträgern anderer Olympiaden angewiesen, von 3.000 bis 10.000 Rubel bekommen Studienbewerber mit hohen Abitur-Leistungen. Es gibt ein System von Rabatten für bezahlte Hochschulbildung. Wenn es einem Studienbewerber nicht gelungen ist, einen aus dem staatlichen Budget finanzierten Studienplatz zu bekommen, aber er hat im Abitur gut abgeschnitten, erhält er Rabatte von 5 bis 15% für das erste Studienjahr, um sein Studium zu finanzieren.

Um unsere Absolventen immer noch wettbewerbsfähiger und mehr gefragt auf dem Arbeitsmarkt werden, veranstaltet die Staatliche Universität Baschkirien Präsentationen, Jobmessen und Geschäftsspiele, um Verbindungen zwischen der Universität und den Arbeitgebern herzustellen. Jährlich werden mehr als 100 langfristige Verträge und Vereinbarungen mit Unternehmen in Baschkortostan über die Zusammenarbeit und Organisation von Praktikum geschlossen.

- Vor welchen Problemen steht heute die Ingenieurausbildung in Baschkortostan?

- Eines der dringenden Probleme besteht darin, dass die Ingenieurausbildung viel Geld kostet. Genügende Finanzierung ist notwendig, um die Universitätsausrüstung entsprechend den modernen Technologien ständig zu modernisieren und zu verbessern.

Im Zusammenhang mit der Pandemie gibt es Schwierigkeiten bei der Durchführung von Studentenpraktikum in Fabriken und Unternehmen, denn die meisten von denen aufgrund des Coronavirus nur eingeschränkten Zugang haben. Aber wir lösen diese Probleme schnell: wir schließen neue Verträge mit solchen Unternehmen ab, die bereit sind, unsere Studenten für Praktikum aufzunehmen. Darüber hinaus organisieren wir Praktikum in Universitätsfachbereichen und stellen erfahrene Ingenieure, die in Unternehmen arbeiten, als Professoren an unserer Universität ein.

- Russischer Präsident Wladimir Putin hat ein Bundesgesetz unterzeichnet, das die obligatorische Vorverteidigung von Dissertationen von Promovierenden vorsieht. Der Anteil der erfolgreichen Promotionen wurde infolgedessen auf 18% reduziert. Wie viel Prozent gibt es an Ihrer Universität und was tun Sie, um talentierte junge Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen?

- Die Situation ist wirklich kritisch. Das russische Aufbaustudium macht heute schlechte Zeiten durch. An unserer Universität sank der Anteil der Promitionen auf 15%. Daher sind die vom Präsidenten vorgeschlagenen Änderungen des Bundesgesetzes "Über Bildung in der Russischen Föderation" von großer Bedeutung.

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Eines der Probleme ist die Notwendigkeit, Arbeit und Studium zu kombinieren. Dieses Problem kann man durch die Erhöhung von der staatlichen Finanzierung vom Aufbaustudium lösen. Überdies könnten Studierende an bezahlten Projekten teilnehmen.

Es sind junge Doktoren, die den größten Beitrag zur Innovationen und Entwicklung unserer Universität leisten. Deshalb versuchen wir, Doktoranden auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen. Sie erhalten Stipendien vom Akademischen Rat der Universität, werden als Forschungspraktikanten eingestellt, erhalten finanzielle Förderung für ihre Forschung und Stipendien: es gibt Finanzierung auf verschiedenen Ebenen – vom Präsidenten, von der Regierung der Russischen Föderation und vom Oberhaupt der Republik Baschkortostan.

An unserer Universität arbeiten namhafte Wissenschaftler in 16 Bereichen und 59 wissenschaftlichen Spezialisierungen. An unserer Universität gibt es auch wissenschaftliche Schulen was Studienbewerber aus anderen Regionen anzieht. Z. B. haben sich für Aufbaustudium an der Staatlichen Universität Baschkirien im Jahr 2020 Absolventen verschiedener Universitäten angemeldet: der Staatlichen Universität Moskau, der Chemisch-Technischen Dmitri-Mendelejew-Universität von Russland, der Staatlichen Universität Nischnewartowsk, der Staatlichen Universität Orenburg sowie anderer russischer Universitäten. Darüber hinaus wurden Studenten ausländischer Universitäten zum Masterstudium zugelassen: Studenten der chinesischen Chongqing-Universität, der italienischen Universität Urbino "Carlo Bo" und der Staatlichen Ötemissow-Universität Westkasachstan.

- Erzählen Sie bitte uns über die wichtigsten Entwicklungen an der Staatlichen Universität Baschkirien in den letzten Jahren. Auf welche Aufgaben zielen diese Entwicklungen ab und sind sie im realen Wirtschaftssektor gefragt?

- Als Ergebnis langjähriger Forschung wurde ein umweltfreundliches Medikament entwickelt, das Pflanzenwachstum und -entwicklung reguliert und als Immunmodulator wirkt (dabei wird Riftal gemeint – Anmerkung der Redaktion). Dieses Medikament ermöglicht, den Ertrag von Getreide ohne große Kosten effektiv zu steigern. Es wird erfolgreich in unserer Republik sowie in Tatarstan und in den Regionen Tscheljabinsk und Orenburg eingesetzt.

Eine neue Methode zum Schutz von Gebäuden und Bauwerken, die ebenfalls von Chemikern entwickelt wurde, ist in der Bauindustrie, in Straßenanlagen und in der Wasserkraft bereits weit verbreitet. Die universelle Mineralimprägnierung "Aquastat" schützt Baustoffe vor atmosphärischen und chemischen Einflüssen durch wasserabweisende Beschichtung in Nanogröße.

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Unsere Wissenschaftler an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften haben eine Technologie zur Herstellung multifunktionaler Verbundkeramiken entwickelt, die von Unternehmen in Branchen Petrochemie, Ölraffinerie, Maschinenbau und Bau eingesetzt wird. Leichte und sehr feste Wärmedämmstoffe können im Zivil- und Industriebau eingesetzt werden, insbesondere in Flachbauten in ländlichen Gebieten oder im hohen Norden.

- Wie halten Sie von internationalen Universitätsrankings? Sind sie objektiv, bedeutungsvoll, spielen sie eine wichtige Rolle? Brauchen wir ein Rating, das alle russischen Universitäten umfassen würde? Welche Kriterien sollen bei der Bewertung der Universitäten berücksichtigt werden?

- Wie Sie wissen, gibt es weltweit mehr als 200.000 Universitäten. Hochschulrankings sind ein effektives Instrument, um Universitäten untereinander zu vergleichen. Es ermöglicht, sowohl die Konkurrenten als auch sich selbst von außen zu betrachten, und dabei seine Schwäche zu berücksichtigen. Aber im Hinblick auf Objektivität gibt es jedoch keine idealen Rankings, die alle geschichtlichen Aspekte der Entwicklung von nationalen Bildungssystemen sowie den kulturellen und sprachlichen Kontext und territoriale Merkmale vollständig berücksichtigen würde.

Weltweit dienen Rankings als Orientierungspunkt beim Entscheidungstreffen auf institutioneller und nationaler Ebene und haben einen zunehmenden Einfluss auf die Regierungspolitik im Bereich Wissenschaft und Hochschulbildung.

In Russland gibt es bereits eine Reihe nationaler Rankings. Die russischen Universitäten haben dabei eine Eigenschaft: es wäre falsch Öl- und Gas-Universitäten mit pädagogischen Universitäten zu vergleichen. Wenn sie trotzdem alle a priori in einen Topf gehen würden, wäre ein solches Ranking voreingenommen. Daher lohnt es sich bei der Erstellung eines nationalen Rankings, konkrete Kriterien zu bewerten, bspw. jeden Hochschultyp oder die Parameter wie Zulassungsqualität, Forschungstätigkeit usw. Darüber hinaus sollten regionale Besonderheiten berücksichtigt und "externe Effekte" neutralisiert werden, insbesondere im finanziellen und wirtschaftlichen Bereich. Beispielsweise haben Universitäten in Moskau häufig einen Vorteil bei den Ratings, der nicht mit ihren tatsächlichen Aktivitäten und Leistungen, sondern mit dem allgemeinen Lebensstandard in der Hauptstadt zusammenhängt.

Heute umfasst die Staatliche Universität Baschkirien 5 Institute, 10 Fakultäten und 4 Zweigstellen in den Städten Sterlitamak, Sibaj, Birsk und Neftekamsk. Insgesamt studieren hier 27,5 Tausend Studenten und Doktoranden aus 42 Regionen Russlands und 39 Ländern der Welt.