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Experteneinschätzung der Pläne, Erdgas durch Wasserstoff zu ersetzen

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Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte einen Bericht "Perspektiven der Wasserstoffwirtschaft", wonach das leichteste Gas in der Natur in dreißig Jahren so viel wie Methan kosten wird bzw. zwischen 220 und 440 Dollar pro tausend Kubikmeter je nach Produktionsort. Infolgedessen werden Stahlwerke, Zementwerke, Autos und Schiffe auf saubere Kraftstoffe umstellen und dadurch die Emissionen um ein Drittel reduzieren.

Nicht nur im Westen, sondern auch in Russland setzt man viele Hoffnungen auf das erste Element des Periodensystems ungeachtet der tragischen Geschichte von Luftschiffbau, des Mangels an klaren wirtschaftlichen Berechnungen dessen Endpreises für die Verbraucher und, vor allem, trotz keiner Technologien zur gefahrlosen Speicherung und Transport von Wasserstoff im industriellen Maßstab. So schlug das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation laut der "Kommersant" Zeitung vor, unabhängigen Wasserstoffproduzenten direkten Zugang zu den Gazprom-Pipelines anzubieten, um die Kosten der Wasserstoff-Exporte nach Europa zu senken.

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Um dieses Versprechen zu verwirklichen, schlagen die Beamten vor, die Gesetzgebung bis Dezember 2022 zu verändern und den Bau spezialisierter Fabriken in unmittelbarer Nähe des Rohrs zu ermöglichen, gegebenenfalls auch in der Schutzzone.

Die Tatsache, dass es noch keinen Markt für Wasserstoff gibt und dass es nicht sicher ist, ob es einen solchen Markt überhaupt geben wird, scheint die Regierung nicht zu stören. Sie macht sich keine Sorgen über die Meinung von Wissenschaftlern, die diese fantastische Pläne westlicher Politiker, H2 zu einer globalen Energieressource zu machen, offen bezweifeln. Vizepräsident der Russischen Gasgesellschaft Roman Samsonow erklärte, warum dies in absehbarer Zeit nicht passieren kann. Sein Vortrag "Öl- und Gasindustrie Russlands: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft" fand in St. Petersburg im Rahmen des Allrussischen Konferenzwettbewerbs junger Wissenschaftler "Aktuelle Probleme des Abbaus von Bodenschätzen" statt. Die "Forpost" Zeitung zitiert Auszüge aus dieser Rede.

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Über die Rolle von Kohlenwasserstoffen

Methan und andere natürliche Ressourcen schaffen noch sehr lange die Grundlagen für die weltweite Kraftstoff- und Energiebilanz. Dass muss man so oder so zugeben. Was die Dekarbonisierung angeht, sollte man verstehen, dass es in vielerlei Hinsicht ein Hype ist. Und die Mode verändert sich mit der Zeit. Dann wird etwas anderes geben und diejenigen, die nur diesen Hype vorschlagen können, werden weg vom Fenster sein.

Über Ökologie

Die heutige Informationsagenda ist so, dass wir oft die Rolle von Mineralien vergessen und nur über Ökologie sprechen. Aber es ist nicht richtig. Es ist unmöglich, ein Subsystem aus dem System herauszureißen und nur aus diesem Subsystem weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen. Denn früher oder später wird alles in die Atmosphäre freigesetzt und dann kommt es auf die eine oder andere Weise zu uns zurück.

Über den Zeitpunkt der Energiewende

Echte Profis werden Ihnen nie genau sagen, wann der Erdgasverbrauch den Ölverbrauch übersteigen wird, wann die Energiewende stattfinden wird oder sogar wann sie begonnen hat. Die Umwandlung des Kraftstoff- und Energiebereiches ist ein fortlaufender Prozess. Und um die Bedeutung dieser oder jener Ressource in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren zumindest grob zu verstehen, ist es notwendig, sich das ganze Bild anzusehen und nicht an einer Energiequelle "hängen zu bleiben".

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Niemand weiß, wie viele Jahre es dauern wird, bis die Menschheit ein vollständig auf erneuerbaren Quellen und Wasserstoff basierendes Energiesystem entwickelt. Denn niemand kann den tatsächlichen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt und alle entsprechenden Veränderungen vorhersagen.

Über Kohle

Kohle scheint eine schmutzige Ressource zu sein, sie brennt schlecht. In Wirklichkeit gibt es jedoch Möglichkeiten, sie effizienter zu nutzen und die beim Verbrennen von Kohle auftretenden Emissionen von Schadstoffen in die Atmosphäre zu minimieren. Diese Technologien waren bereits in der UdSSR bekannt. Die Kohle wurde zerkleinert und mit Wasser gemischt. Dabei wurde der Zellstoff hergestellt. Aber Kohle ist immer noch viel weniger wettbewerbsfähig als Gas.

Eine andere Sache ist, dass es Regionen gibt, wo Kohle abgebaut wird und dieser Abbau rentabel ist. Dort müssen natürlich Technologien eingeführt werden, um die anthropogenen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.

Über Wasserstoff

Niemand würde bestreiten, dass Wasserstoff eine sauberere Ressource ist als Erdgas. Gleichzeitig ist das spezifische Volumen von Wasserstoff dreimal geringer als das von Methan. Kann man mit Blick auf diese Eigenschaften von Wasserstoff sagen, dass diese Gas besser als die anderen ist? Und noch eine wichtige Frage: Haben wir überhaupt Wasserstoff? Wir haben natürlich viel Methan, aber Europa hat es nicht (in der von der EU geforderten Menge). Vielleicht deshalb braucht die EU Wasserstoff?

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Selbstverständlich will Gazprom von der aktuellen Situation profitieren, in dem das Unternehmen das Gas exportiert. Allerdings gibt es einige Probleme hinsichtlich der Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschritts, worüber wir schon gesprochen haben (es gibt immer noch keine verfügbaren Technologien, die gefahrlose Speicherung und sicheren Transport von Wasserstoff gewährleisten könnten – die Redaktion). Meiner Meinung nach sind die Szenarien der Europäischen Gemeinschaft, die Energie aus Wasserstoff oder erneuerbaren Quellen gewinnen will, aus Verzweiflung geschrieben. Die EU will die Importabhängigkeit im Energiebereich verringern, der aber ein Eckpfeiler für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist.

Es gibt aber auch elementaren Pragmatismus. Sie waren wahrscheinlich in Deutschland, Sie haben gesehen, dass es in europäischen Ländern nie einen Wärmeüberschuss gibt, wie in Russland. Dies spricht natürlich auch für unsere Nachteile: Wir verschwenden einfach die Hälfte unserer Energieressourcen, in dem wir sie äußerst ineffizient nutzen. Aber wir haben doch keinen Mangel an diesen Ressourcen ...

Immer wenn man Ihnen die Märchen darüber, was für eine schöne Zukunft Wasserstoff habe, erzählt, sehen Sie bitte die Karte unseres Landes an. Ich bin mehrmals von Moskau nach Sachalin und zurück geflogen. Wenn man also über riesige leere Flächen fliegt, scheint es unwahrscheinlich, dass man dort Wasserstoff braucht. Deswegen ist dort von der Zukunft der Wasserstoff keine Rede.

Über Energiesicherheit

Jeder Russe sollte die Möglichkeit haben, sich nicht nur aufzuwärmen, und dies ist sehr wichtig, da wir immer noch ein Land im Norden sind, sondern jederzeit das Licht oder die Klimaanlage einzuschalten und Essen zuzubereiten. Darüber hinaus sollte die Energieversorgung kostengünstig und zuverlässig sein. Dies ist eines der von den Vereinten Nationen formulierten Ziele nachhaltiger Entwicklung, und nicht nur wir, sondern die gesamte internationale Gemeinschaft sollten sich darum bemühen. Das ist logisch, denn wenn es Energie gibt, dann gibt es Leben. Ohne Öl und Gas werden wir dieses Ziel also nicht erreichen, dies kommt nicht in Frage.

Eine Reihe von Vorträgen für die Teilnehmer des Allrussischen Konferenzwettbewerbs für junge Wissenschaftler "Aktuelle Probleme des Abbaus von Bodenschätzen" wurde vom internationalen UNESCO Kompetenzzentrum für bergbautechnische Ausbildung organisiert. Daran nahmen führende Experten im Kraftstoff- und Energiebereich teil, darunter waren ehemaliger technischer Direktor der Nord Stream- und Nord Stream-2-Projekte Sergej Serdjukow, GEOTECH-Präsident Wladimir Tolkachew und andere.