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Mülltrennung ist eine Goldgrube. Warum profitiert man davon nicht?

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© Форпост Северо-Запад

In St. Petersburg fand eine Umweltkampagne statt, während deren die Bürger von St Petersburg ihre alten Zahnbürsten und ihre leeren Zahnpastatuben zur Wiederverwertung abgaben. Mehrere hundert Menschen nahmen daran teil, etwa 45 Kilogramm wiederverwertbares Material wurden gesammelt. Die "Forpost" Zeitung hat sich entschlossen herauszufinden, ob das Wiederwerten für die Natur wirklich wichtig ist und wie hoch das Einkommen von Investoren sein kann, wenn sie darin investieren.

Nach Ansicht der Organisatoren ist es ziemlich schwierig, die Bedeutung von Abfalltrennungsprojekten zu überschätzen. Der Prozess von Müllzersetzung kann unter natürlichen Bedingungen mehrere Jahrhunderte dauern. So werden Dosen in 90 Jahren vollständig zersetzt. Polyethylen kann je nach Dicke mehr als ein Jahrhundert lang im Boden oder auf einer Mülldeponie liegen, doppelt so lange dauert die Zersetzung von Cola-Flaschen. Produkte aus dichtem Kunststoff, darunter Zahnbürsten und Zahnpastatuben, werden in 300-500 Jahren zersetzt.

Das Verbrennen von diesen Produkten mit anderem Müll ist ebenfalls keine Option. Niederdruck-Polyethylen (d. h. sehr dichtes Polymer) setzt beim Verbrennen viele Karzinogene und Chlor und andere toxische Substanzen enthaltene Verbindungen frei, die für Mensch und Umwelt äußerst schädlich sind. Unter anderem verursacht deren signifikante Konzentration bösartige Tumoren.

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© Форпост Северо-Запад

Der einzig wirklich akzeptable Weg, um Kunststoffmengen zu verringen, ist das Wiederverwerten. Es ist eben sehr interessant, dass eine technologische Linie zur Wiederverwertung von Kunststoff zu einem profitablen Geschäft werden kann. In Deutschland werden beispielsweise Geokunststoffe daraus hergestellt, die für den Bau und die Reparatur von Straßen erforderlich sind, und anschließend auch nach Russland verkauft. Heute werden in Deutschland etwa 60% der Verbundwerkstoffe und Textilien hergestellt, die im Bau von russischen Autobahnen verwendet werden.

"In der Tat ist es bei der PET-Depolymerisation möglich, Polymere für breite Anwendung zu erhalten und daraus Geokunststoffe sowie viele andere Produkte herzustellen − zum Beispiel Additive für Asphaltbetonmischungen und Gummioberflächen moderner Spiel- und Sportplätze. Die Kosten für einen Quadratmeter PET-Flex liegen zwischen 400 und 600 Rubel. Für die Herstellung werden 3-5 Kilogramm bzw. 60-100 Stück gebrauchte Plastikflaschen benötigt", sagt Assistent bei der Abteilung Chemische Technologien und Energieverarbeitung an der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg Jelisaweta Kirejewa, die ständig an der Abfalltrennungskampagne teilnimmt.

Zu ihren Forschungsinteressen gehört unter anderem die Kunststoffverarbeitung. In unserem Land ist dieser Bereich völlig unentwickelt, und die Ergebnisse von Forschungen, die von Wissenschaftlern der ältesten technischen Universität Russlands unter der Leitung von Professorin Natalia Kondraschewa durchgeführt wurden, können bisher nicht in die Praxis umgesetzt werden. Die Industrie ist an solchen Projekten nicht sehr interessiert, und die Regierung greift keine administrativen Maßnahmen, um die Situation nicht in Worten, sondern in Taten zu ändern.

Свалка в Мурино
© "За социальное Девяткино"/vk.com/za9kino

Leere Flaschen, auch wenn in einigen Höfen separate Behälter für sie vorhanden sind, werden größtenteils auf dieselben Mülldeponien mit anderen Abfälle verbracht. Sie werden dort mit Essensresten, Batterien, Pappe und Glas abgeladen. Und oft ist die Situation noch schlimmer: Menschen suchen gezielt nach Behältern für Abfalltrennung, obwohl sie weit entfernt sind, beobachten dann erstaunt, wie ihr Müll in den einzigen Container des Müllwagens geladen wird. Das heißt, der schon umsonst getrennte Müll gelangt mit anderen Abfällen auf Mülldeponien. Und der getrennte Abfall wird mit anderem Müll direkt vor Ihren Augen gemischt.

Geschichten wie diese demotivieren natürlich diejenigen, die aufrichtig ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten wollen. Und es untergräbt die Glaubwürdigkeit staatlicher Behörden, die nicht in der Lage sind, Ordnung in einen potenziell hochprofitablen Sektor der Volkswirtschaft hineinzubringen. Anstatt zum profitablen Geschäft zu werden und zur Importsubstituierung wesentlich beizutragen, verschmutzt Kunststoff nach wie vor die Natur, ohne sinnvoll verwendet zu sein.

Natürlich gibt es einige Erfolge. Zum Beispiel akzeptiert laut den Teilnehmerт des sozioökologischen Projekts "Sobirator" die Firma "Colgate" Zahnbürsten zur Wiederverwertung, "Wicky Wostok" − Filzstifte und Kugelschreiber, "Ecophone" − Folie und Tüten, "WtorAluminProdukt" – Metall. Es geht aber nicht um einen industriellen Maßstab, da es kein gut funktionierendes Mülltrennungssystem gibt.

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© Форпост Северо-Запад

"Jedes Mal, wenn wir Umweltkampagnen organisieren, sammeln wir viel Kunststoff und geben ihn zur Wiederverwertung ab. Das ist wirklich sehr wichtig. Diese Projekte finden leider nur selten statt. Um das Müllproblem zu lösen, soll man Müll regelmäßig trennen und wiederverwerten, wie zum Beispiel im benachbarten Finnland. Es ist notwendig, dass die Abfalltrennung zum Alltag wird, und private Unternehmen sollten daran interessiert sein, sich ernsthaft mit Wiederverwertung von Abfällen zu befassen. Aus technologischer Sicht gibt es keine Hindernisse. Polymere für breite Anwendung aus Kunststoffabfällen zu erhalten ist ein wissenschaftlich begründeter und rentabler Prozess. Um eine ganze Branche dafür zu schaffen, sollen sowohl der Staat als auch Geschäftsleute daran aktiv beteiligt sein", sagt Jelisaweta Kirejewa.

In fast allen westlichen Ländern gehört Mülltrennung zum Alltag. In Büro- und Verwaltungsgebäuden, Wohngebäuden und in deren Nähe stehen mindestens 4 und manchmal 6-7 Container für verschiedene Müllarten zur Verfügung. Zum Beispiel werden Gäste aus Russland im benachbarten Finnland oft mit nicht besonders freundlichen Blicken konfrontiert, wenn sie sich den finnischen Müllcontainern nähern, denn die Einheimischen glauben, die Russen werden wahrscheinlich die Container verwechseln, und das Papier in den Plastikbehälter und das Glas in den Container für Lebensmittelabfälle werfen werden. Für die Finnen ist dies fast eine Straftat.

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© Форпост Северо-Запад / Лаппеенранта, Финляндия
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© Форпост Северо-Запад / Верона, Италия

Es ist schwer zu sagen, ob wir unsere Einstellung zum Umweltschutz ändern werden und ob wir uns mental neu organisieren können. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Derzeit beschäftigen sich die Aktivisten in ihrer Freizeit freiwillig mit Abfalltrennung. Es gibt beispielsweise ein Projekt "Dobrije Krischetschki" (was auf Russisch "Gute Deckel" bedeutet). Im Rahmen des Projekts sammeln junge Menschen Flaschendeckel (die Deckel müssen getrennt von Flaschen wiederverwertet werden, da sie aus dichtem Kunststoff bestehen) und sie dann zur Verarbeitungsanlage bringen. Dafür bekommen sie etwas Geld, das sie für Kinderwagen für behinderte Kinder ausgeben.

Laut Jelisaweta Kirejewa trägt diese ehrenamtliche Tätigkeit zur Einführung eines Abfalltrennungssystems für feste Abfälle in Russland bei. Die nächste Umweltkampagne, in deren Rahmen die Einwohner von St. Petersburg ihre alten Zahnbürsten und gebrauchten Zahnpastatuben zur Wiederverwertung abgeben können, findet am 5. Juni, dem Weltumwelttag, statt. Um die Adressen der Müllentsorgungsorte zu erfahren, wenden Sie sich bitte an die Organisatoren: @ sobirator.msk, #ColgateSmileRu, #ПродолжайУлыбаться.