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Russland will Spitzenreiter im Bereich Weltdigitalisierung werden. Warum?

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Das kürzlich gegründete Konsortium zur Personalbildung für die digitale Wirtschaft umfasst bereits 185 russische Universitäten und 101 Organisationen der Sekundarbildung. Laut Berichten auf der Regierungswebsite ist die Teilnehmerliste bei weitem nicht angefertigt, d. h. es besteht noch die Möglichkeit, dem Konsortium beizutreten. Die Methodik für Schulung von IT-Spezialisten wird von der 2012 in der Nähe von Kasan gegründeten Universität Innopolis festgelegt.

Die Teilnahme am Projekt "Digitalisierung" bietet zusätzliche staatliche Förderung und üppige Subventionen. Das Gesamtbudget für dieses Projekt ist zweieinhalb Mal höher als die Finanzierung von einem anderen nationalen Projekt, das "Wissenschaft und Universitäten" heißt. Digitalisierungsspezialisten glauben also anscheinend, dass das Phänomen der "indischen Softwareentwickler" die Zukunft Russlands gestalten soll. Sie vergessen allerdings, dass dieses Phänomen neben den Vorteilen auch Nachteile hat.

Die fünftgrößte indische Metropole Bangalore war bis 1947 der Standort des südlichen Hauptquartiers der britischen Armee. Jetzt wird sie aber inoffiziell "Indiens Silicon Valley" genannt. Als eine herausragende Leistung des in den letzten Jahrzehnten entstandenen Offshore-Programmiersystems (wenn der IT-Bereich sich nicht am Inlandsmarkt, sondern an ausländischen Kunden orientiert) wird beispielsweise der Umsatz in diesem Bereich genannt.

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Er macht etwa 2% des indischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Der Bereich zieht hauptsächlich junge Leute an. In Bezug auf die Beschäftigung und den Anteil am BIP ist dies jedoch nur sehr wenig. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in Indien erreichte im Jahr 2020 34,7%. Bevor dem Ausbruch des Coronavirus lag die Quote nie unter 21-24%. Die IT-Branche kann also die Situation nicht wirklich verbessern.

Laut den Anhängern des Digitalisierungskonzepts, die auf die Bildung von Informatikern setzen, ist der Exportanteil an den Lieferungen von fertigen Softwarelösungen in Indien deutlich gestiegen. Welche Ergebnisse haben die indischen Programmierer Ende 2020 erzielt? Rund 10% der indischen Exporte entfallen laut dem TrendEconomy-Portal auf Öl und Kraftstoff, 6% − auf Arzneimittel; 5,5% − auf Diamanten; 2,9% − auf Reis; 2,8% − auf Juwelen; 1,7% − auf Autos und Motorräder, 1,5% − auf Auto- und Motorradersatzteile; 1,4% − auf unverarbeitetes Aluminium, und noch 1,4% − auf Metallerze und Meeresfrüchte.

Alles andere liegt unter 1%. Wenn Indien also auf der Makroebene Softwareprodukten exportiert, werden die Lieferungen so dokumentiert, damit sie die offiziellen Exportstatistiken umgehen und den Staatshaushalt nicht wirklich finanzieren. Zum Beispiel gelingt es durch direkte Interaktion zwischen ausländischen Kunden und Freiberuflern.

Heute liegt diese Form der Zusammenarbeit im Trend. Ende April veröffentlichten Experten der UNCTAD (Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) eine Studie über die Auswirkungen fortschrittlicher Technologien auf verschiedene Länder, je nach deren Entwicklungsstand und Einkommen. Zu den Hauptproblemen im Zusammenhang mit dem Boom neuer Technologien gehört die Verbreitung der Prinzipien der sogenannten Gig-Wirtschaft. Solche Unternehmen arbeiten an konkreten Projekten mit Freiberuflern zusammen. Natürlich trägt ein Unternehmen unter solchen Bedingungen keine Verantwortung für die Arbeitsrechte und Steuern seiner Subunternehmer.

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Es wird in den Materialien des russischen nationalen Projekts "Digitale Wirtschaft" nichts über den Budgeteffekt gesagt, in dem der Staat zusätzliche Steuereinnahmen bekommt, die sich aus der Einführung von IT-Technologien ergeben. Zukünftiges Einkommenswachstum findet man selbstverständlich und nicht berechenbar. Der Ausgabenplan ist jedoch sehr präzis und ehrgeizig. Es ist geplant, die Investitionen in die Entwicklung der digitalen Wirtschaft bis 2024 von1,7% des heutigen BIP auf 5,1% zu erhöhen.

Im Rahmen des Projekts soll man Breitbandinternet zur Verfügung stellen; in jedem Föderationskreis sollen Datenverarbeitungszentren eingerichtet werden; eine einheitliche Cloud-Plattform und ein elektronisches Föderationssystem für Inventarisation, Buchhaltung und Kontrolle von Immobilien und von allen Arten von Energieressourcen sollen in Betrieb genommen werden. Und vor allem ist geplant, für 10 Millionen Menschen in auf dem Gebiet Digitale Technologien zu schulen und 120.000 Fachkräfte im Bereich Informationstechnologie auf Hochschulniveau vorzubereiten.

All dies einschließlich der Bildung stellt keineswegs einen technologischen Durchbruch dar. Bestenfalls wären solche Maßnahmen und Förderung nur eine Voraussetzung dafür. Mit anderen Worten: sie tragen zur Schaffung einer universellen Plattform für potenzielle Investoren, die seine Produktionskosten durch die Benutzung von dieser Plattform sinken könnten. Wie in Indien.

In seiner Studie legte die UNCTAD 11 Schlüsseltechnologien der Zukunft fest: künstliche Intelligenz, Robotik, Internet der Dinge, 3D-Druck, Blockchain, Big Data, 5G-Mobilfunknetz, Gentechnik, Drohnen, Nanotechnologie und Solarbatterien. Die Investitionen in diese Technologien soll in den kommenden Jahren schnell wachsen. Heute belaufen sich die Investitionen in diese Bereiche auf rund 350 Milliarden US-Dollar. Bis 2025 prognostizieren Experten ein Marktwachstum auf 3,2 Billionen US-Dollar.

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© Прорывные технологии, инфографика ООН.

Sie haben auch die Bereitschaft der Länder, fortschrittliche Technologien umzusetzen, eingeschätzt. Nach diesem Parameter belegt Russland den 27. Platz in der Welt. Ich muss sagen, dass es nur wenige Bereiche gibt, wo unser Land einen Platz im globalen TOP-30 Rating einnimmt.

Einen solchen Platz bedeutet, dass Russland bereits über genügend Ressourcen verfügt, um neue Technologien zum Nutzen der Wirtschaft einzusetzen. Das Land hat zum Beispiel IT-Tools, um die Produktion von Tiefverarbeitungsprodukten auf der reichsten Basis des heimischen Mineral- und Rohstoffsektors anzukurbeln. Durch jeden Schritt weiter in diese Richtung würden neue Arbeitsplätze in verwandten Branchen, einschließlich im IT-Bereich, geschaffen. Und dies wären nicht mehr nur noch "schöne Worte", sondern konkrete Maßnahmen zur Entwicklung des Binnenmarktes und zur Diversifizierung der Wirtschaft.

Laut der UNCTAD wird sich bis 2025 fast die Hälfte des Marktes auf eine von den elf vielversprechendsten Technologien entfallen - das Internet der Dinge (IdD). In Industrieländern ist das Internet der Dinge am weitesten verbreitet und trägt dazu bei, enorme Gewinne zu erzielen. Beispielsweise spart das amerikanische Unternehmen General Electric durch die Einführung von einem elektronischen Überwachungssystem für seine Gasturbinen jährlich etwa 100 Millionen US-Dollar an deren Wartung ein.

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Und der chemische Konzern AkzoNobel hat anhand des Internets der Dinge und der Cloud-Technologien die Produktion rund um die Uhr so organisiert, dass beispielsweise eine Werkstatt in den Niederlanden von einem schwedischen Büro aus gesteuert wird. Das Personal geht höchstens zweimal pro Woche in die Werkstatt.

Die Vorteile dieser Digitalisierung liegen also auf der Hand. Projekte wie General Electric oder AkzoNobel können nur von höchstqualifizierten technischen Spezialisten durchgeführt werden. Die Kompetenzen auf dem Gebiet Informationstechnologie werden in diesen Internehmen nur als zusätzlich betrachtet. Die besten Universitäten in den USA, Europa und Südostasien sind auf die Vorbereitung genau solcher Fachkräfte spezialisiert. Und die Absolventen werden bei Weltunternehmen nach ihrem Abschluss eingestellt. Die Aufgaben wie z.B. Computercodes zu entwickeln, die keine gründlichen, umfassenden Kenntnissen in der Branche erfordern, werden problemlos in Drittländer ausgelagert.

Führen wir in diesem Zusammenhang ein Beispiel an, um die Situation zu erklären, obwohl es auf den ersten Blick scheint, als hätte das Beispiel nichts mit dem Problem zu tun. Es geht um die Aussage des Leiters der Russischen Akademie der Wissenschaften Alexander Sergejew im Forum "Jugend und Wissenschaft". Er führt die Verschlechterung des russischen Bildungsniveaus auf den Mangel an ideologischer Bildung in Schulen und auf die Schädigung des Ansehens des Lehrerberufs zurück.

Ähnliche Vorschläge zur Ideologisierung der Schule und zur Verbesserung des Ansehens von Lehrern macht man schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Es wird sogar etwas in diesem Zusammenhang getan, aber ohne Erfolg - wahrscheinlich deswegen, weil man die Schwerpunkte setzen nicht kann. Es gibt ein grundlegenderes Konzept als die Ideologie - die Ethik. Man kann doch nicht das Ansehen eines Lehrers zu verbessern, ohne dessen Lohn zu erhöhen. So ist es auch mit der Informationstechnologie. Es soll nicht um die schönen Worte gehen, man sollte in dieser Hinsicht konkrete Schritte tun, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nur dann kann man einen Erfolg erzielen.