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Im Sommer 2015 äußerte die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G7-Gipfeltreffen die Meinung, dass der Rücktritt Russlands in die G8, sowie die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland kaum möglich seien. Mit der Annexion von Krim und der Intervention in den Donbasskonflikt habe doch Russland eine Klarstellung gebracht, dass es sich von den europäischen Werten freihält, und es soll daher für diese Einstellung bestraft werden.

„Zurzeit besteht ein Hindernis, und ich sehe keine Voraussetzungen dafür, dass es überwunden werden kann. Trotz dessen bleibt Moskau unser Partner in mehreren Fragen…“, – so sagt Angela Merkel.

Die Einstellung der politischen Führung der BRD hat den Stand des Warenumsatzes zwischen Russland und Deutschland im Nu stark beeinträchtigt. Im Jahr 2014 ging er weit über 70 Mrd. US-Dollar hinaus, 2016 lag er lediglich bei 40,7 Mrd., indem er im Laufe von 2 Jahren eine Verringerung um 40% nachwies. Dies hat dazu geführt, dass China Deutschland auf den 2.Platz in der Liste der bedeutendsten Handelspartner von Russland verschob.

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Viele Experten weisen auf den langfristigen Charakter dieses Trends. Die radikalsten von denen sind der Meinung, dass die Lieferungen von Erdgas, Öl und Mineraldünger aus Russland in die BRD, deren Anteil mehr als 80% bildete, kontinuierlich reduzieren soll. Sie haben vorgeschlagen, den Bedarf der deutschen Industrie und Bevölkerung auf Kosten der Importdiversifizierung und Entwicklung der erneuerbaren Energiequellen zu decken.

Bei Weitem nicht alle schließen sich der Meinung an und unterstützen die Sanktionen. Zumal ist es in der Realität ziemlich problematisch, die Gaslieferungen zu diversifizieren. Die Gasgewinnung in den Niederlanden ist schon jetzt wesentlich gesunken, in Norwegen wird sie nach Prognosen bis 2020 sinken, dabei ist das Flüssigerdgas aus den USA zu teuer, um es als vernünftige Alternative den Lieferungen aus Russland betrachten zu können. Darüber hinaus ermahnten viele Politiker und Geschäftsleute dazu, die wirtschaftliche Kooperation mit Russland trotz aller politischen Diskrepanzen aufzubewahren, da die Konfrontation den beiden Seiten Nachteile brachte.

„Wir müssen nicht immer nur nach Westen den Blick wenden. Für uns ist Osten auch sehr interessant, unsere Nachbarn wie Russland oder Polen. 26 Tausend sächsischer Schüler lernen Russisch als Fremdsprache. Das zeugt vom großen Interesse an russische Kultur und an die Perspektiven der Entwicklung unserer Zusammenarbeit. So sehen wir die politische Situation,“ – erklärte sächsischer Ministerpräsident a. D. Stanislaw Tillich im Zuge der 10. Rohstoffkonferenz in Sankt-Petersburg. So äußerte er sich zum Thema der Abkühlung der Beziehungen zwischen unseren Staaten.

Dieses Forum galt im Laufe von letzten Jahren als die beinahe einzige Dialogbühne, wo die Politiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute beider Staaten, die für die Erhaltung und Wiederherstellung der gutnachbarlichen Beziehungen zwischen unseren Staaten stehen, ihre Meinungen tauschen konnten. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der in den 1970-ger Jahren als entschlossener Gegner der Entspannungspolitik von Willi Brandt und Egon Barr galt und Annäherung zwischen Deutschland und Russland kritisierte, offenbarte, dass „er heute viel näher deren Position stehe“.„Es ist keinesfalls die Rede davon, dass Russland nicht mehr unser Partner ist. Wir müssen unseren Dialog weiterführen. Und das ist die Aufgabe von Angela Merkel. Ich glaube, wir brauchen Russland. Was soll das heißen? Wir müssen wenigstens versuchen, die Beziehungen auf der diplomatischen Ebene zu bewahren“.

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Dr. Stoiber und ehemaliger Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz Dr. Horst Teltschik, unterzeichneten den von fünf Politikern aufgefassten Brief, der zur Wiederherstellung und Erhaltung des Dialogs mit Russland und zur Anerkennung Russlands als gleichberechtigten Partner berief.

«Die Einführung gegenseitiger Sanktionen, Stornierung der Initiativen und Dialogplattform, die zum gegenseitigen Einverständnis und zur Festigung der Kooperation beigetragen haben, ereignen sich im beschleunigten Tempo. Deshalb sollen wir nicht vergessen, dass die beiden Seiten schon einst das Ende des kalten Krieges verkündet haben. «Das Motto «Europa sei unser gemeinsames Heim» soll genauso wichtig für unsere Gegenwart bleiben, wie die Rede von Putin, die er vor dem Bundestag im Jahr 2001 hielt und für langfristige und allseitige Zusammenarbeit stand», - wird in diesem Brief deklariert.

Solche Meinungen sind in der letzten Zeit immer häufiger von den deutschen Politikern zu hören. So bemerkte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig, dass «die gegenseitige Aufhebung der Sanktionen den Interessen von Deutschland und Russland entspricht». Sie fügte hinzu, dass es nach vier Jahren klar wurde, dass die Sanktionen ihr Ziel nicht getroffen haben».

Mit ihr erklärte sich auch der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Dietmar Woidke einverstanden, der dazu berief, «die Eskalationsspirale zu entspannen sei der einzige Weg zum Erfolg». Selbst Angela Merkel, die Russland im Mai 2018 erstmals nach langer Zeit besuchte, überraschte ihre Kollegen schon mehrmals durch loyale Aussagen gegenüber Russland.

«Wir sehen Russland als eine Kraft, die die internationale Ordnung bilden will und kann, was auch die Situation in Syrien bewies», - erklärte die Bundeskanzlerin im Dezember des vorigen Jahres.

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Die Dynamik des Warenumsatzes zwischen den beiden Staaten hat sich ebenfalls geändert. Nach Ergebnissen des Jahres 2017 betrug er knapp 50 Mrd. Dollar, indem er sich um 22,76% im Vergleich zu 2016 stieg. Nach Ergebnissen des ersten Viertels 2018 stieg er wieder um 22,72%. Die maximalen Werte sind noch nicht erreicht, doch der Stimmungsumschwung lässt keine Zweifel mehr.

Das ist weitgehend die Folge der Politik des US-Präsidenten Donald Trump, dessen oberste Priorität ausschließlich die Interessen der amerikanischen Unternehmerschaft sind, und der sich gar keine Gedanken über seine europäischen Partner macht. Die Auflösung der Transatlantischen Handels-und Investitionspartnerschaft, Austritt aus der Pariser Klimarahmenkonvention, Einführung der Abwehrzollen für Aluminium und Stahl und andere Aktionen, die in den Regierungszeiten seiner Amtsvorgänger als unmöglich erschien, zwangen Europa und insbesondere Deutschland zur Suche nach neuen Partnern.

«Deutschland will nicht in die Lage eines Sandwichs geraten und seitens der USA sowie Russlands gepresst werden. Wir werden kaum unsere Beziehungen mit den USA verbessern, deshalb denken die vernünftigen deutschen Politiker darüber nach, alles Mögliche zu tun, um die Beziehungen mit Russland nicht weiter zu verderben», - erklärte der deutsche Politologe Alexander Rahr auf dem Fernsehkanal NSN.

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Die beginnende Wende nach dem Osten ist außerdem durch den Anstieg des Energiebedarfs in der BRD bedingt. Im Unterschied zu den USA, deren Präsident einfach Versprechen gibt und genauso einfach seine Versprechen zurücknimmt, etablierte sich Russland als zuverlässiger Partner, der seinen Verpflichtungen gegenüber den Auslandspartnern immer nachkommt.

«In den letzten Jahren verbraucht Deutschland immer mehr Erdgas für die Energieerzeugung. Der wichtigste Grund dazu ist allmählicher Abbau der Atomenergie, der durch die Havarien in Tschernobyl und insbesondere in Fukushima bedingt ist. Wir haben vor, in den nächsten vier Jahren auf die Atomenergie völlig zu verzichten. Doch die Importe aus Russland steigen nicht nur wegen des Abbaus der Atomkraftwerke. Es liegt daran, dass andere Lieferanten nicht imstande sind, den Bedarf der BRD in vollem Umfang zu decken, Russland ist hingegen bereit, diese Lücke auszufüllen», - so Jörg Lewitz, Hauptexpert von Verbundnetz Gas AG (BRD).

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Nach Ergebnissen des ersten Viertels 2018 betrug der Anteil von Rohstoffen an dem ganzen Exportumfang aus Russland nach Deutschland 85,05%. Das sind die höchsten Werte in den letzten fünf Jahren. Und wenn auch der Bedarf an die Steigerung der Energieressourcenimporte aus Russland weitgehend kein einziger Grund für den Stimmungsumschwung der deutschen Politiker ist, kann gerade sie zum Anlass zur Abänderung der Sanktionspolitik werden. Um so mehr versteht schon die Mehrheit der Bevölkerung der BRD die Aussichtlosigkeit dieser Politik und äußert sich für Wiederbelebung des Dialogs mit Russland.

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