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Das verfluchte Gas, das die Welt braucht

светильник рудничный
© Форпост Северо-Запад / Горный музей

In den Kohlebergwerken der Welt ereignen sich regelmäßig Dutzende von Unfällen aufgrund von Methanexplosionen. Bei diesen Unfällen kommen Hunderte von Menschen ums Leben, auch wenn moderne automatische Gasschutzsysteme vorhanden sind.

Im 18. Jahrhundert wurden die Menschen erstmals mit den Auswirkungen von Methan in Bergwerken konfrontiert. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Kohleabbau in Großbritannien zu einem lukrativen Geschäft, und um die Fördermengen zu steigern, begann man, tiefere und, wie sich später herausstellte, immer gefährlichere Horizonte zu erschließen. Das früheste bekannte Massensterben von Bergarbeitern fand 1705 in der Grafschaft Durham in Nordengland statt. Die Opfer waren 30 Personen. Die nächste Tragödie ließ nicht lange auf sich warten und ereignete sich drei Jahre später in derselben Gegend bei einer Explosion in der Fatfield-Mine, bei der 69 Bergleute ihr Leben verloren. Die Ursache der Unfälle war das so genannte "Grubengas", das bei offenem Feuer reagiert. Es ging so weit, dass anglikanische Priester Gebete sprachen, bevor sie die Arbeiter in die Mine hinabließen, und das verfluchte Gas als ein Produkt des Teufels bezeichneten.

взрыв на шахте
© Общественное достояние

Um das Bergwerk vor dem Gas zu schützen, mussten die Bergleute einen Schacht ausheben, durch den das Gas strömte und sich mit der Luft vermischte. Daraufhin entzündete sich das Gemisch und explodierte. Für die riskante Arbeit wurde ein spezieller Mann angeheuert - in England nannte man ihn den "Fireman" und in Frankreich den "Büßenden Sünder". Der Arbeiter trug nasse Kleidung und eine Glasmaske zum Schutz seiner Augen. Der Brandstifter nahm eine lange Stange mit einer Fackel am Ende, legte sich hin, kroch in die Mine und löste eine Explosion aus. Die Bergbauarbeiten konnten dann in relativer Sicherheit fortgesetzt werden. Manchmal wurde ein Käfig mit einem Kanarienvogel als Indikator unter die Erde gebracht, und sein Gesang diente als Orientierungshilfe. Sobald der Vogel für längere Zeit verstummte oder das Bewusstsein verlor, musste er die Grube sofort verlassen. Dies bedeutete, dass sich große Mengen giftiger Stoffe in der Luft befanden.

кающийся грешник
© Общественное достояние

Ein Jahrhundert nach den ersten Explosionen in englischen Kohlebergwerken wies der britische Chemiker und Geologe August Wilhelm von Hoffmann nach, dass Grubengas ein Gemisch aus Methan, Stickstoff und Kohlendioxid ist. Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass natürliches Methan farb- und geruchlos ist. Es kommt in Kohleflözen vor, wo sich organische Rückstände zersetzen. Das in den Hohlräumen des Gesteins eingelagerte Methangas könnte jederzeit durch den kleinsten Funken entzündet werden und würde gleichzeitig mit dem Aufbrechen des Gesteins freigesetzt werden.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse fielen mit einer der am weitesten verbreiteten Tragödien in den englischen Kohlebergwerken zusammen. Bei einer Explosion im Bergwerk Felling in der Nähe von Gateshead kamen 92 Bergleute ums Leben, darunter 30 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 16 Jahren. Dieses Ereignis veranlasste die Behörden, die Sunderland Society zu gründen, die sich aus Ministern, Ärzten, Minenbesitzern und Führungskräften zusammensetzte. Hauptziel der Organisation war die wissenschaftliche Erforschung der Belüftung unterirdischer Bergwerke, der Ursachen plötzlicher Explosionen und der Entwicklung von Sicherheitslampen. Der letzte Punkt war von besonderer Bedeutung, denn als Hauptunfallursache galt offenes Feuer unter Tage - Öllampen, Kerzen oder Fackeln, die zur Beleuchtung der Grubenbaue verwendet wurden. Nach der Aufnahme der Tätigkeit der Gesellschaft wurden mehrere neue Lampentypen geschaffen. Dazu gehörte die Geordie-Lampe, bei der die Luft durch enge Röhren zugeführt wurde, durch die sich die Flamme nicht bewegen konnte. Humphry Davy erfand eine weitere Sicherheitsvorrichtung, die Davy-Lampe, bei der die Flamme von einem Eisengitter umgeben war. Aber alle diese Maßnahmen boten keine ausreichende Sicherheit im Betrieb.

горный музей
© Форпост Северо-Запад / Горный музей

Eine wirklich innovative Erfindung war die Petroleumlampe von Karl Wolff, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts konstruiert wurde. Die Entwicklung dieser Sicherheitsvorrichtung, die hell leuchtet, ohne zu rußen, hat Tausenden von Menschen das Leben gerettet. Unter den Bergleuten jener Zeit war er als "Benefactor" bekannt. Der Erfinder kombinierte die Arbeit seiner Vorgänger in einer Lampe.

горный музей
© Форпост Северо-Запад / Горный музей

Er verfügte über ein Sicherheitsnetz, einen Glaszylinder um die Flamme, eine untere Luftzufuhr und einen Riegel, der nur durch einen über 10 Kilogramm schweren Magneten geöffnet werden konnte. Jeder Bergmann konnte die Lampe wieder anzünden, wenn sie ausging, ohne sich oder seine Kameraden zu gefährden. Die Konstruktion diente auch dazu, das Vorhandensein von Grubengas festzustellen. Dazu wurde die Flamme der Lampe gesenkt und bis zum Dach der Grube hochgezogen. Wenn um sie herum ein blauer Halo auftauchte, bedeutete dies, dass sich Methan in der Luft befand. Das Gerät war so erfolgreich, dass es als Vorbild für verbesserte Konstruktionen diente, die bis in die 1930er Jahre in Gebrauch waren, als sie durch batteriebetriebene Lampen ersetzt wurden.

рудничные светильники
© Форпост Северо-Запад / Горный музей

Modelle der Wolffschen Sicherheits-Benzinlampe aus der Mitte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts sind in der Ausstellung des Bergbaumuseums in St. Petersburg zu sehen. In der der Grubenbeleuchtung gewidmeten Sammlung sind auch Tonlampen aus einer alten Bleimine, die erste Devi-Lampe und Akkumulatorenlampen aus der Sowjetzeit zu sehen.

горный музей
© Форпост Северо-Запад / Горный музей

Was bis gestern fast ein Fluch in der kohlebasierten Energieversorgung Europas war, ist heute eine begehrte Ressource. Leitungsgebundenes und verflüssigtes Erdgas, das weltweit ständig nachgefragt wird, ist ein Gemisch aus gasförmigen Kohlenwasserstoffen natürlichen Ursprungs, das hauptsächlich aus Methan besteht. Die Menschheit fördert jedes Jahr mehr als 3,5 Billionen Kubikmeter dieser wertvollen Ressource.